Schulprojekt "Wolfsgeheul und Giraffenherz"

Projekt der Praxisvolksschule Baden zur Gewaltfreien Kommunikation

Im Juni 2011 wurde an der Praxisvolksschule eine Elternbefragung zur Qualitätssicherung mittels Fragebogen durchgeführt. Die Befragung ergab eine sehr große Zufriedenheit über die abgefragten Bereiche. Im sozialen Miteinander, im Austragen von Konflikten unter den Schülerinnen und Schülern untereinander, sahen die Eltern noch Bedarf nach Unterstützung für die Kinder. Dies wurde von den Lehrerinnen auch so gesehen.

Von mir kam der Vorschlag, den Kindern zur Unterstützung bei Konflikten die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg näher zu bringen. Dieser Vorschlag wurde angenommen.

Im Sommersemester 2012 erhielten die Lehrerinnen und die Freizeitpädagoginnen an mehreren Nachmittagen eine Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation.

Im Wintersemester 2012/13 startete das Projekt für die ganze Schule. In mehreren Einheiten wurde von mir und den jeweiligen Klassenlehrerinnen die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation mit den Klassen eingeübt.

Beobachtung – ich sage, was ich sehe und nicht was ich darüber denke

Wenn ich sehe, dass du meine Schultasche umgeworfen hast ...

Gefühl – ich sage, was ich während der Beobachtung fühlte

... bin ich ärgerlich ...

Bedürfnis – ich sage, was mir wichtig ist

... weil mir ist wichtig, dass meine Sachen nicht umgeschmissen werden ...

Bitte – ich spreche eine konkret umsetzbare Bitte aus

... kannst du bitte in dieser Pause beim Laufen aufpassen!

In den Klassen und in den Räumen der Nachmittagsbetreuung wurden GFK-Ecken zur Streit-Schlichtung eingerichtet. Der Elterverein ermöglichte die Anschaffung von Handpuppen: Der Wolf als Symbol für die Alltagssprache und die Giraffe als Symbol für die wertschätzende Sprache der Gewaltfreien Kommunikation.

Im Mai 2013 erhielt ich für die Konzeption und Durchführung des Projektes den niederösterreichischen Bildungspreis, den EDUcation Award in der Kategorie „Soziales Lernen und Entwicklung und sozialer Kompetenz“.

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(EDUcation Award, Foto: Herbert Käfer)

Die Klassen präsentierten den zahlreich erschienen Gästen am 14. Juni 2013 beim Projektfest die ersten Ergebnisse des laufenden Projektes.

Die Praxisvolksschule erreichte im Juni 2013 beim österreichweiten Fairness Award für dieses Projekt in der Kategorie „Schulprojekte 6-10 Jahre“ den 1. Platz!

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(Fairness Award, Foto: BM für Unterricht, Kunst und Kultur/APA-Fotoservice/Preiss)

Ab dem Schuljahr 2013/14 erhalten die  Kinder der Vorschulklasse und der ersten Klassen und die neu hinzukommenden Lehrerinnen und Freizeitpädagoginnen eine Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation.

Mittels drei Bachelorarbeiten durch drei Studierende der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich wurden Schülerinnen und Schüler, Eltern und die Lehrerinnen und Freizeitpädagoginnen befragt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wirkten ab dem nachfolgenden Jahr auf das Schulprojekt ein.

Ab dem Schuljahr 2014/15 offene Supervisionsgruppe für Lehrerinnen und Freizeitpädagoginnen. Einmal im Monat gibt es die Möglichkeit, die eigene Tätigkeit und Erlebtes mit Blick auf  die Gewaltfreie Kommunikation zu reflektieren.

Ab dem Schuljahr 2015/16 gibt es das Angebot einer „Giraffenstunde“ für alle Schülerinnen und Schüler der PVS. Diese findet einmal in der Woche statt und die Kinder können sich für diese Stunde voranmelden. Mit diesem Text werden die Schülerinnen und Schüler dazu eingeladen:

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Die Kinder können Einzeln oder mit dem Kind mit welchem sie gestritten haben zu mir in die Giraffenstunde kommen.

Mit Hilfe  der GFK-Treppe versuchen wir gemeinsam den Konflikt zu lösen. Die ersten drei Treppen stehen für die ersten drei Schritte der GFK: Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis. 

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Nach dem Modell der Friedenstreppe wiederholt das zuhörende Kind das Gesagte des Gegenübers.

Dies dient zur Förderung der Empathie. Auf der  vierten Stufe wird mit Hilfe des vierten Schrittes in der GFK, die Bitte, der Konflikt beendet oder Vereinbarungen für die Zukunft getroffen.

Im Schuljahr 2016/17 wurde von Tatjana Bauer, BSc in ihrer Bachelorarbeit die „Giraffenstunde“ untersucht. Mittels Leitfrageninterviews wurden teilnehmende Schülerinnen und Schüler befragt. Die Veränderungen, welche die Ergebnisse dieser Bachelorarbeit anregten, wurden im darauf folgenden Schuljahr umgesetzt.

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(Tatjana Berger, Foto: Walter Fiskisz)

Außer den bisherigen Aktivitäten gab es  im Schuljahr 2017/18 den Austausch unseres Schulprojektes mit der Primarschule Walkermatte (Biel, Schweiz). Dieser entstand aufgrund  der Initiative von Onorina Magri, Lehrerin an der Primarschule.

Die Finanzierung und Förderung dieses Austausches wurde durch die Schweizer Stiftung movetia ermöglicht. Dieser Austausch begann im Schuljahr 2016/17.

Das Konzept unseres Schulprojektes wurde von Onorina Magri für die Primarschule übernommen und adaptiert. Ich durfte in diesen zwei Jahren bei drei Besuchen in Biel das Projekt begleiten und auch ähnliche positive Ergebnisse, wie an unserer Schule, beobachten. Onorina Magri entwickelte das Projekt durch Installierung eines Giraffenteams weiter. Diese erfahrenen Schülerinnen und Schüler unterstützen in den Pausen die Kinder der Primarschule bei der Lösung von etwaigen Konflikten.

Onorina MagriAbschluss dieses Austausches bildete ein Besuch von Onorina Magri mit drei Lehrerinnen an der PVS im April 2018. Dabei beobachteten sie verschiedene Stunden des Schulprojektes in den Klassen und  nahmen an einer Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation im Rahmen des Masterlehrganges Mentoring teil.

(Onorina Magri, Foto: Primarschule Walkermatte)